Am 31. Juli 1962 - bei einer Visite des Bundesverkehrsministers Dr. Seebohm zeigt der Fährbahnhof Puttgarden bereits seine vollen Konturen:

 

Stellwerk

das Bahnhofsgebäude

 

Die Bahnsteige sind erstellt, ein Großteil der 23.200 Meter Schienengleise und der 155 Weichen verlegt. Das Bahnhofsgebäude, der überdachte Landgang, das Zentralstellwerk, die Schiffswerkstätten, das Betriebswerk, die Lok- und D-Zug Wagenhallen wie Waschbühnen, die Hauptgebäude für Paß und Zoll, das zentrale Klär-und Fernheizwerk nähern sich der Fertigstellung. Hunderte von Lichtmasten sind montiert, die Zug und Rangiersignale errichtet, das Stellwerk erhält die modernste Technik von Siemens. Ein 28 Meter hoher Antennenmast dient dem Fernsprechverkehr mit den Fährschiffen.

 

im Stellwerk

Im Zentralstellwerk von Puttgarden

 

Schalttafel

Im Zentralstellwerk von Puttgarden

 

Mit moderner Technik wird die Dänische Staatsbahn über ein 19 Kilometer langes Seekabel in den Selbstwähldienst eingeschaltet. Für den jetzt sprunghaft steigenden Gebrauchswasserbedarf des Fährbahnhofs, der Wirtschaftsbetriebe und der Fährschiffe muß vom holsteinischen Klötzin eine 25 Kilometer lange Fernwasserleitung über die Brücke nach Fehmarn verlegt werden. Die Insel Fehmarn wird zwar vom Meer umspült, hat jedoch nur wenig, außerordentlich kalkhaltiges Grundwasser. Der Verkehrsminister ist über den Baufortschritt, der Einhaltung aller kurzgesetzten Termine erfreut. Begleitende Journalisten nutzen die Chance, nach dem noch ausstehenden Namen für dieses größte Bauprojekt Nachkriegsdeutschlands zu fragen. Wie soll der Fährbahnhof heißen: „Fehmarnkai", „Puttgarden", „Skandinavienkai" oder „Fehmarnbelt"?

Fährbahnhof Puttgarden

Der überdachte Landgang in Puttgarden

 

Die Bundesbahnvertreter sind eindeutig für die Beibehaltung der alten Bahnsitte, den Namen von der nächstgelegenen Ortschaft - und sei diese noch so unbedeutend - zu übernehmen. Alle politischen und wirtschaftlichen Vertreter sprechen sich dagegen für einen überregionalen, geographisch einprägsamen, werbeträchtigen Namen dieses „Tors zum Norden" aus: „Fährbahnhof Fehmarnbelt" ist der meistgenannte. Die Handelskammer und der Fremdenverkehrsverband Nordmark plädieren für „Fehmarn Kai" oder „Skandinavienkai". Diese Diskussion über einen Bahnhofsnamen kommt ein Jahr zu spät. Die Bundesbahn hat den Namen Puftgarden längst in ihrem innerdienstlichen Schriftverkehr, in die international-koordinierten Fahrpläne aufgenommen. Bahnhofs, Bahnsteigs, Stellwerksund Zuglaufschilder sind in Auftrag gegeben.

 

der Bahnhof

der neue Bahnhof

 

Im September 1962 prangt am Stellwerk in Puttgarden und auf einigen Straßenschildern zwischen Kiel und Fehmarn der Name des neuen Weltbahnhofs: „Puffgarden", jedoch mit einem kleingedruckten „Fehmarn Kai" in Klammern darunter. Der Name Puttgarden ist altslawischen Ursprungs und bedeutet: pod= hinter, grad = castellum, Burg, also „hinter der Burg". Er bezeichnet den Platz einer früheren Seeräuberburg an der Steilküste von Manenleuchte. Auf älteren Seekarten ist diese gefährliche Steilküste im Nordosten Fehmarns als „Oldeborgshuk" (Alte-Burg-Huk) mit einem ausgedehnten Sandriff davor verzeichnet.

 

Hier noch einige Impressionen für Sie:

das Stellwerk

das Bahnhofsgebäude

Schaulustige

Schaulustige bei der Eröffung des Bahnhofes

in Farbe

seltenes Farbbild

die Treppe

die Treppe zum Landgang

der Bahnhof

der Bahnhof

 

Mit freundlicher Genehmigung von Karl Wilhelm Klahn

Auszüge dem Buch: Fehmarn, eine Bauerninsel als Trittstein zur Welt

Buch

Erschienen im Wachholz Verlag

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Reisecenter Fehmarn
2004/04/13
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