Alle Hünengräber Fehmarns liegen auf erhöhtem Gelände, die einzige reine Kultanlage der Insel ist hingegen auf das niedrige, weithin Einsichtbare begründet, um die Sonnenwenden und Kulttage nach dem Sonnenstand durch Visiersteine einzufangen und gleichsam mit markierten Einkerbungen bzw. Schälchenpunkten den jeweiligen Sonnenstand abzulesen, ein Schälchenstein liegt noch fest eingepackt in dem UferschutzSteindamm vor Wulfen.

Die astronomische Notwendigkeit der nötigen Horizontgleiche mit der nahen Ostsee ließ die vom Wochwasser gefährdete Wulfener Salzgras Niederung als ideales Terrain erscheinen. Die symmetrische Süd-Nord Ausrichtung der zyklopenhaften Steinsetzungen zeigt ein genaues Ordnungssystem, welches Prozessionen vermuten lässt, wie sie noch von Tacitus um 90 n. Chr. in seiner "Germania" mit den Kult Umzügen Erdgöttin Nerthus am 27. des Lenzenmonats auf einer Insel der heutigen Ostsee ausführlich beschrieben wird.

Im Juni 1931 fand in Burg eine Tagung der Gesellschaft für Schleswig Holsteinische Geschichte zum Thema "Prähistorische Gräber" statt, in der Prof. Koch seine Überzeugung dokumentiert:

Fehmarn ist die Insel der Fruchtbarkeitsgöttin Nerthus (Heiligtum: altn.“Ve“...!)
Dieser zentrale Versammlungsort unterhalb der HünengrabKolonie des Wulfner Berges spiegelt die umfassenden himmelskundlichen Kenntnisse der Megalither und diente als sakraler Sonnen Kultbau vorrangig der Bestimmung von Fest und Aussä wie Erntezeiten.
Die Kultanlage der Großstein Kammerleute hatte eine Ausdehnung von 30 mal 120 Metern und wurde mit einem Bannkreis aus 46 Findlingen gegen den Zutritt Unbefugter abgeschirmt. Im heiligen Bezirk dominierten zwei im gleichmäßigen Abstand aufgerichtete Großsteinblöcke als Altartische, die auf je acht Tragebeinen ruhten.

Aufrechtstehende Visiersteine, noch 1717 von Christian Rode als Wächterpfähle apostrophiert, fingen die Sonnenstrahlen ein und brachten sie gleich Kimme und Korn auf eingemeißelte Fixpunkte des megalithischen Gottestisches: Sonnenwenden, Aussaatzeiten und Kulttage wie Flurprozessionen, Erntedank und Opfertage konnten gleich einer Sonnenuhr abgelesen werden: ein neolithisches "Observatorion"! Der nach geometrischen Kenntnissen mit dem megalithischen „Metermaß“ von 83 Zentimetern gesetzte heilige Steinkranz manifestierte die Unantastbarkeit des geweihten Ortes, der Bannkreis durfte nur mit Billigung des Häuptlings, Priesters oder Medizinmannes betreten werden und gestattete ein unbestraftes Eindringen nur im Falle tödlicher Bedrohung.

Hier war der Opfer, Schwur wie Verlöbnisort, und die Schamanen vollzogen ihre magischkultischen Handlungen nach uralten Riten. Bewährte zwischenmenschliche Beziehungen des Stammes festigten sich in Gebräuche und Sitten und wurden der nachfolgenden Generation im Kleide der überlebensnotwendigen Tradition weitervererbt.  Die missionarische Heilslehre der Megalither führte mit ihren astronomischen Kenntnissen, dem Lichterkult, Quellenglauben und festgefügten StammesTraditionen zur Ausbildung höherer religiöser Vorstellungen und Veredelung sittlicher Anschauungen. Ihre Gotteshäuser, für die Ewigkeit gedacht, überdauerten mehr als 5000 Jahre.

Die Ruhe der Toten zu stören, galt über alle Zeiten als verachtenswürdigste Tat und Grabschänder traf ausnahmlos das härteste Urteil der Köpfung auf dem Altarstein.  Die im 18.Jahrhundert unsere Gesellschaft verändernde Geistesbewegung der "Aufklärung" mit den Losungen des Vernünftigen und Zweckmäßigen gegenüber den übernommenen Werten lässt die natürliche Ehrfurcht vor den prähistorischen Totenmälern sinken. Durch die Agrarreform der Umwandlung von Gemeinbewirtschaftung (Allmende) in Einzelbesitz (Feldaufteilung), verschwinden durch königliche "Verkoppelungsverordnungen" von 1766 und 1770 der größte Teil der sichtbaren Hünengräber in amtlich angeordnete Abkoppelungswälle: diese sollten Viehübertritte (Tierschüttung) und AckerErosion verhindern, bzw. werden als "Hünenschotter", so der amtliche Ausdruck, für den beginnenden festen Straßenbau (Chausseen OldenburgHeiligenhafen z.B.) verwendet. Dem sakralen SonnenkultMonument von Wulfen widerfuhr ein gnädigeres Schicksal: die mehr als 5000 Jahre alten Kultsteine wurden im Frühjahr 1876 als Küstenschutz beim Deichbau am wenige Meter entfernten Burger Binnensee benötigt!

Unzerstört überstanden auf der Insel Fehmarn nur zwei Dolmengräber und ein Ganggrab die Zeit der "Aufklärung", vier weitere Großkammern bilden als Fragmente unübersehbare Zeugen der historischen Epoche einer goldenen, tausenjährigen MegalitherGeschichte: Haus für die Ewigkeit erster religiös suchender Menschen, steinerne Sinnbilder der Jenseitshoffnung! 1800 vor Chistus bricht das Hirtenvolk der Indogermanen mit vehementer Gewalt in die friedliche Welt des Bauern und Fischervolks der Hünengrableute des Nordens ein und macht der mehr als 2000 Jahre alten, sehr hoch stehenden aber ziemlich wehrlos gewordenen Megalither Kultur auf schnellen Pferden mit Pfeil und Bogen wie der blutigen Streitaxt den Garaus! Die vaterrechtlich organisierten Indogermanen bringen ihre eigenen Götter mit, und die überlebenden Ackerbauern beziehen mit den Eindringlichen einen gemeinsamen Götter Himmel.

Die schmalköpfigen, hochgewachsenen, kämpferischen Indogermanen beten ihre auf das diesseits gerichteten "Asen" an, während die mutterrechtlich organisierten Megalither mit ihren mystischen, fruchtbarkeitskultischen "Wanen" einen „Götterkrieg“ bis in die historische Zeit führten, wie uns die altisländischen Kloster Schriften der "Edda" aus der von Mönchen mündlich überlieferten nordischen Mythologie hinterließen. Von den Bauern kommt die Beharrlichkeit, Bodenständigkeit, Friedfertigkeit und künstlerische Neigung, von den Hirten die Unrast, Kriegslust, Geschäftigkeit und der Wandertrieb: "Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust!" Dieser über Jahrhunderte bekannte Stoßseufzer von des allzu deutschen "Faust" unseres Johann W. Goethe hat einen klar erkennbaren, mehr als 3800 Jahre alten ethnischen Hintergrund.

Mit freundlicher Genehmigung von Karl Wilhelm Klahn

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