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Der letzte noch Überlebende berichtet

Verfasst am: 03.03.2004 | Aufrufe: 11705

OLtzS Friedrich Reinhard In der Mittagszeit lagen wir bei leichter Brise an Deck und sonnten uns. Sanft hob und senkte sich das Schiff in der leichten Dünung. Begeistert standen wir jungen Seeleute an der Reeling, als der DO X, damals Deutschlands größtes und schönstes Flugzeug, unser Schiff auf geringe Entfer­nung passierte.

Um zwei Uhr, bei Dienstbeginn, ging unsere Wache zum Segelunterricht in den Wohnraum unter Deck, während die Steu­erbordwache an Oberdeck blieb und jeder­zeit klar war, die notwendigen Segelmanö­ver auszuführen.

 

Wir selbst saßen vielleicht erst eine gute Viertelstunde auf dem blanken Fußboden im offenen Viereck um unseren Wachoffi­zier, Oberleutnant zur See Reinhard, und folgten seinen Erklärungen, als wir von Deck her Kommandorufe und das bekannte Trappeln über unseren Köpfen hörten, woraus wir entnehmen konnten, daß die Bramsegel wegen auffrischenden Windes geborgen wurden. Das war nichts Unge­wöhnliches; das Knarren der Blöcke und der Ton im Winde verhallender Segelkom­mandos war uns in den wenigen Wochen schon vertraut geworden.

 

Doch kurz darauf - was war das? Legte sich das Schiff nicht plötzlich stärker über? War das nicht neu und mehr, als wir bisher kennen gelernt hatten?

Donnerwetter, das ist ja allerhand, wie wir plötzlich auf dem glatten Linoleumdeck unseres Wohnraums alle in die Backbord­achtere Ecke rutschen. Schon ruft Ober­leutnant Reinhard: Oberlicht schließen", weil der erste Guß auf unsere Köpfe kommt. Und in Sekundenschnelle sehen wir ihn selbst mit den Nächststehenden, soweit sie überhaupt noch stehen können, an der endlosen Spindel kurbeln, die das Ober­deckslicht schließen soll. Es geht nichtmehr - mit Wucht ergießt sich ein dicker Wasserstrahl auf ihre Köpfe. Schwer liegt das Schiff schon über.

 

Von Oberdeck gellen die Pfeifen der Bootsmannsmaate: Alle Mann an Deck! Auf, klar zum Manöver! - Nichts ist es mehr mit "alle Mann an Deck"; wir können gar nicht heraus aus unserer Ecke. Ver­zweifelt kämpft jeder um einen Halt gegen das steigende Wasser. Gibt es denn gar keinen Ausweg, wenn das blanke Deck schon nicht mehr zu erklimmen ist? Kein Überlegen mehr - nur noch instinktiv han­deln!

Und mit dem Grauen des blitzschnell steigenden Wassers im Rücken finde ich den einzigen noch möglichen Ausweg: An der Decke entlang. Ich klettere schnell auf den an der Außenwand stehenden, großen Hängemattskasten, erreiche die Decke und verlasse an Hängemattsstangen und Rohr­verkleidungen kletternd, dann auf der Sei­tenwand des Niedergangs kriechend, das auf der Seite liegende und sinkende Schiff, während mir auch auf diesem letzten Aus­weg das Wasser schon entgegenströmt.

An Deck bietet sich ein grauenhaftes Bild. Halb liegt der Rumpf im Wasser. Segel und Masten liegen flach, das Tauwerk wirr durcheinander. Die See ist aufge­peitscht. An losen Schoten und Brassen hole ich mich auf die Luvbordwand; Kame­raden helfen mir hoch. Doch keine Zeit zur Besinnung; schon weicht auch dieser schwankende Boden unter unseren Füßen. Während wir vor dem scheinbar steigenden Wasser nach vorn laufen, sackt das Schiff von achtern her unter uns weg. Steil richtet sich als letztes der Klüverbaum noch einmal auf und verschwindet rauschend in der aufge­wühlten See.

OLtzS Friedrich Reinhard, Div.Offizier der Backbord-Wache, geblieben mit 32 Offiziersanwärtern unter Deck.
Wir schwimmen - es geht recht und schlecht. Es schwimmt sich nicht gut bei dem Seegang; aber wir halten den Kopf hoch. Hier und dort verlieren wir einen Kameraden aus der Sicht. Man ist froh, wenn man sich hält. An einem kleinen Holzkasten, der mir vor der Nase treibt, halte ich mich fest - und halte und halte...

 

Nach einer mir endlos erscheinenden Zeit sehe ich ein Rettungsboot, später die gute "Theresia russ", einen deutschen Dampfer, der, wie wir später erfahren, aus Finnland kommend, das Unglück aus der Nähe beobachtet hat. Auch das Rettungs­boot des ziemlich nahen Feuerschiffes Fehmarnbelt hilft mit. Man pickt uns auf. Man bringt uns auf die "Theresia russ". Man trocknet, füttert und kleidet uns notdürftig - und zählt uns: 39 Mann sind gerettet, 69 fehlen! Die See hat sie behalten. Hart und unerbittlich ist sie zuweilen. Blind schlägt sie zu. Erst später stellen wir fest, daß wir mit 7 Jungs dem Inferno unter Deck entronnen sind.Nachdem von diesen drei im Krieg fielen, die restlichen drei verstarben, bin ich jetzt leider der Letzte.

 

THERESIA L.M. RUSS
Der Dampfer "THERESIA L.M. RUSS" (Kapitän F. Müller), der einen großen Teil der Niobe Besatzung rettete.

 

Mit freundlicher Genehmigung von Karl-Wilhelm Klahn


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