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Die Geschichte der Fehmarn Malzfabrik

Verfasst am: 15.09.2009 | Aufrufe: 10379

Malzfabrik Fehmarn um 1951
Die Malzfabrik Fehmarn um 1951

„Und gehöret das Bier neben Milch, Buttermilch, Kaffee aus Gerste und Zichorie, sowie Saft und Wasser zu den täglichen Getränken." So wird es uns aus der Zeit der Gründung der Malzfabrik Fehmarn im Jahre 1789 übermittelt. Genau wie heute, benötigte man auch in früheren Zeiten für das Bierbrauen Wasser, Hopfen und Malz.
Wir wollen uns in diesem Bericht mit der Herstellung des Malzes befassen, bei der in dem Korn diverse Enzyme gebildet werden, die später für den Stärke- und Eiweißabbau während des Bierbrauens notwendig sind. Durch die Dauer und Temperatur des Darrens wird die spätere Bierfarbe beeinflußt.

Gerade zur Erntezeit, mit den vielen Erntehelfern, war der Bierverbrauch sehr hoch. Bis ca. 1880/90 wurde auf den hiesigen Bauernhöfen das Bier selbst gebraut und das Malz hierfür auf den Höfen selbst hergerichtet. Heimatforscher Peter Wiepert beschreibt das Mälzen mit den bescheidenen Hilfsmitteln sehr anschaulich:

Eine besonders ausgesuchte Partie guter Gerste wurde in einem hölzernen Trog mit Wasser begossen und aufgeweicht, nach 2-3 Tagen in einer ca. 15-20 cm dicken Schicht auf einem erwärmten Boden, der über der bäuerlichen Wohnstube, Küche oder dem Backofen lag, ausgebreitet und wegen der besseren Keimung mit Säcken, Decken und Kleidungsstücken zugedeckt. Einige Großbauern, die auf dem Hausboden, neben der Rauchkammer einen besonderen Darr (Trocken)-Raum hatten, ließen die Gerste in diesem vortrocknen. War der Haufen genug gekeimt, wurde die zusammengeballte Gerste mit den Händen „geniedelt", d.h. Die Malzkeime vom Korn getrennt und das Korn für sich hingelegt.

Die Malzkeime wurden als Viehfutter genutzt und es bekam besonders „Vadder sien best Melkkoh" davon zu fressen. Dann wurde das gemälzte Korn getrocknet, und zwar im Backofen, auf dem Beilegerofen, in der vorhin erwähnten Darre oder man legte es in kleinen Mengen auf Bretter, die vorübergehend im Rauchfang der Küche festgemacht wurden. Für diesen Fall waren an beiden Seiten des „Wammseis" kleine Eisenstützen angebracht, die „Moltknaggen" genannt wurden. In einigen Dörfern hatten mehrere Besitzer und Nachbarn hinten im Hof ein kleines Darrhaus gebaut, in dem sie die Malzkörner darrten. Beim darren war es nicht einerlei, welche Brennmaterialien benutzt wurden. So wirkte sich z.B. Torfrauch ungünstig auf den Geschmack des Bieres aus. Man muß bedenken, daß der warme Rauch in früheren Jahren direkt durch das Grünmalz geführt wurde.

Die „guten Biersteden" nahmen am liebsten Buchen- oder Dornenholz, das teilweise vom Festland bezogen wurde. Das getrocknete und gedarrte Malzkorn wurde in der frischen Luft „ausgeschwungen", d.h. in einem größeren Trog, der zwischen zwei Bäumen hinten im Hof hing, hin- und hergeschaukelt, damit der dumpfe Darrgeruch wegging und dann 2-3 Wochen in einem gut gelüfteten Bodenraum nachgetrocknet. Meistens machte man den hinteren Teil des Hausbodens über der „Döns" (kleine, geschlossene Stube) dafür frei. Man nannte dieses Nachtrocknen „südein". Die Mägde mußten das Kom einige Male mit den Händen „dörchkleien", dann wurde es grob gemahlen. In älteren Zeiten machte man das mit primitiven Handmühlen, den „Kwaerns". Später hatten einige Mühlen einen besonderen „Moltgang". Jetzt konnte das Bierbrauen losgehen.

Nach diesem Ausflug in die Kunst des Mälzens wollen wir uns jetzt mit der Geschichte der gewerblichen Malzherstellung in der"Malzfabrik Fehmarn" der Familien Nikolaus Mildenstein und Claus Rathjen befassen:

Im Gründungsjahr 1789 begann Nicolaus Mildenstein I in dem alten Haus Breite Straße 32 (dort steht heute das neue Haus „Restaurant Doppeleiche") mit dem Mälzen von größeren Mengen für den Handel. Auch wurde dort gebraut und gebrannt. Zu dem Besitz gehörte auch Land- und Teichwirtschaft.

Neben der Landwirtschaft, dem Mälzen, Brauen und Brennen wurde ein reger Handel mit diesen Erzeugnissen betrieben. In dem alten Haus war in der großen Diele die sogenannte „Bude" abgetrennt, in der der Verkauf stattfand. Milch, Bier, Branntwein, Hefe usw. wurden an Privatleute, und in größeren Mengen außer Haus und über Land an Gewerbebetriebe verkauft.
Hier wurden alle Familienmitglieder in die Arbeit eingespannt, wie sie auch in der Hauswirtschaft und im Garten alle Arbeiten mitmachen mußten.

Nicolaus Mildenstein III hat dann die Fabrikation sehr stark ausgebaut. 1901 wurde die Mälzerei aus dem alten Wohnhaus mit dem angebauten Brauhaus in ein neues Gebäude verlegt. Dort gab es eine zwei Horden große Darre, Kellergeschoß, Aufzug und zwei Kornböden.

Bau des Fabrik-Schornsteins 1922 - 1924
Bau des Fabrik-Schornsteins 1922 - 1924

Nicolaus Mildenstein IV vergrößerte den Betrieb 1922-24 noch einmal und es entstand die Malzfabrik mit ihrem ca. 30 m hohen Darr- Turm, der bis zum Abriß 1990 neben der St. Nikolai-Kirche als Wahrzeichen von Burg galt. Gleichzeitig wurde das alte Wohn-u. Geschäftshaus, in dem der Betrieb seinerzeit begann, abgerissen und es entstand ein prächtiger Wohnhaus- Neubau, das heutige „Restaurant Doppeleiche". An der Ecke Oster-/Sahrensdorfer-Straße entstanden ein Maschinenhaus mit Wohnungen und ein Speicher für die Veredelung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und die Futtermittel- Produktion. Eine Fabrik für diese Zwecke wurde zusätzlich am Steinkamp gebaut.

Auf dem eigenen Gelände wurde die Stromerzeugung für den Eigenbedarf aufgenommen. Die Inflation nach dem 1. Weltkrieg brachte den Betrieb in ernste Schwierigkeiten, aber es gelang der Familie, den Besitz zu halten. Nicolaus Mildenstein III nahm zusammen mit seiner Tochter Käthe die Mälzerei für kurze Zeit wieder auf. In den Wirren des Dritten Reiches kam diese allerdings zum Erliegen und die Gebäude wurden zur Einlagerung von Kohl, Getreide und Kohlen genutzt.

1956 konnte noch einmal die alte Nutzung als Mälzerei aufgenommen werden. Die Herren Dressler und Büschel pachteten die Fabrik und investierten in neue Maschinen. 1972 schloß die Malzfabrik Fehmarn ihre Pforten für immer. Der Betrieb war zu klein und unwirtschaftlich geworden.

1989 zerstörte ein Großbrand das Gebäude und die Ruine wurde abgerissen. Ein Traditionsbetrieb verschwand und der Küstenfischerei fehlte fortan der hohe Fabrikschornstein als Landmarke für die Navigation.
In den Speichern auf dem Grundstück, das seit knapp 400 Jahren im Familienbesitz ist, betreiben die Nachkommen der Mildensteins, die Familie Rathjen, ein GRÜNES WARENHAUS für den Handel mit Tier- und Gartenbedarf.

Der Platz heute
Ansicht heute

Aufgezeichnet von Claus- Michael Rathjen
Das Reisecenter Fehmarn bedankt sich bei Familie Rathjen für die Bereitstellung des Text & Bildmaterials.


Standort

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