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Leben unter dem Hakenkreuz auf Fehmarn

Verfasst am: 07.03.2011 | Aufrufe: 14735

Der 2. Weltkrieg hat auch vor Fehmarn nicht halt gemacht. Wir haben Herren Klahn, unseren Stadtarchivar i.R. gebeten, eine kurze Zusammenfassung seiner Erlebnisse in NS-Zeit zu schreiben.

 

Karl Wilhelm Klahn

Karl Wilhelm Klahn als 12 Jähriger Jungenschaftsführer im Burger Fanfarenzug 1942

 

Meine früheste Kindheits-Erinnerung, ich wurde am 5.Januar 1930 gebohren, ist ein gewaltiger Fackel-Aufmarsch der SA in der Süderstraße am 31.1.1933 vor dem Bauernhaus Witt (ich saß bei meinemm Vater auf dem Arm)! Am 1. April 1936 Schule, Klassenlehrer Laage, wiederholtes Thema Geschichte, Kaiser Rotbart, Friedrich I. + 1189 Fluss Saleph / Anatolien, III. Kreuzzug. Lehrerin Tille Schmidt, jeden Morgen alle gleichmäßigen „Begrüßungsspruch: „Heil Hitler"! Nachmittags Fußball bis es dunkel wurde.

 

Mit 10 Jahren gingen alle Jungs und Mädchen in die Hitler-Jugend. Auf Anraten meines älteren Bruders meldete ich mich freiwillig beim „Fanfarenzug", denn diese genossen eine Bevorzugung: viele „Auftritte", Geländespiele. Jeden Sonnabend Nachmittag oder Sonntagmorgen Fanfaren-Umzug durch Burg, z.T. auswärts.

 

Spielmannszug der Burger SA im Herbst 1935

Spielmannszug der Burger SA im Herbst 1935


Heydrich mit Fieseler-Storch landete in Presen, „wackelte" mit dem Flugzeug zur Begrüßung seiner auf Burgtiefe wohnenden Familie. Treffpunkt 20 Minuten später mit 2 schwarzen BMW vor unserer reetgedeckten Fahrradhalle, hier wartete die Familie. Heydrichs Rönrad und Strandkorb kamen zur Winter-Aufbewahrung in unsere Halle, standen hier noch Jahre nach dem Kriege.

 

Heinrich Himmer auf Fehmarn

Himmler auf Fehmarn, im Hintergrund Reinhard Heydrich † 1942 durch ein Attentat

Himmler auf Fehmarn

Am 22. Juli 1935 weilt Heinrich Himmler ( † 1945 Selbstmord durch Zyankali Kapsel)

auf Fehmarn und nimmt hier auf der Rathaustreppe die parade der Reiter-SA ab.

 

Heydrichs Haus auf Fehmarn

Reedgedecktes Fachwerk-Sommerhaus von Reihnhard Heydrich und seiner Frau

Lina von Osten. Gerichtet am 24. Juli 1935 auf der Halbinsel des Kurbades

Burgtiefe auf Fehmarn.

 

Weitere Informationen zu "Veränderunge im 2. Weltkrief auf Fehmarn".

 

Am 1 .Sept. 1939 Angriff auf Polen (wollte Danzig zurück und durch polnischen Korridor exterritorialen Verkehrsweg nach Ostpreußen), Polen Bündnis mit England-Frankreich. An 3000 Männer der Insel eingezogen, 768 gefallen. Verdunkelung (Leuchtplaketten/ Phosphor, Lichtträger, griechisch), Lebensmittelkarten, Sammeln fürs „Winterhilfswerk" mit kleinen Figuren aus dem Erzgebirge:

 

Kriegsspiele

"Kinderspiele" im Soldatenrock des sich im Urlaub befindlichen Onkel Kallis. Gefallen

1942 in Russland.

 

Märchenfiguren, Geschichte, Denkmäler, Rathäuser, - mindstens 20 Pfg. Bauernhilfe: Rüben „verziehen", Kohl pflanzen, Heilkräuter (Huflattich, Kamille) pflücken. Altmaterial, auch Eisengitter, Grabkreuze etc. mit Pferdefuhrwerk eingesammelt. Bei Sanitätsrat Reinecke Zinksarg „kassiert, hierin bewahrten die Physikusse einst ihre sezierten Toten in Spiri­tus. Schmiedemeister Steenbock erzählte, dass des Doktors Kutscher eines Tages darin lag und die Jungs auf den Zinkbehälter trommelten: „Kloos Horn kumm ruut, de Dokter föhrt ut."

Mit dem Angriff auf Russland am 22. Juni 1941 verschärfte sich die wirtschaftliche wie politische Lage entscheidend, alles wurde radikaler. Mein Opa traf auf seinem Fahrrad, mein 7 jähriger Vetter vorne auf der Lenkstange, den ihm gutbekannten Kriegskameraden aus dem Ersten Weltkrieg, den Versicherungsagenten Matthäus Claussen: „Häst all hört, Willem, Hitler ist in Russland inmarscheert, - löp sik doot as Napoleon 1812-13!" Opa fuhr recht mürrisch weiter und murmelte in seinen Kaiser-Wilhelm-Bart: „Sowat müss man dootscheeten!", drei Söhne gefallen!

 

Spatenstich zu Fehmarn Sundbrücke

14 September 1941 auf einem Weizen-Stoppelfeld bei Strukkamp der "erste

Spatenstich" der geplanten Vogefluglinie.

 

Am 19. Sept. 1941: „Erster Spatenstich der Vogelfluglinie" auf einem Stoppelfeld bei Strukkamp. Hitler-Jugend um 7 Uhr sammeln Marktplatz und Abmarsch durch die Sundchaussee, bitterkalt, Graupelregen und wir in kurzen Hosen und dünnem Braunhemd, Winterkleidung mit wollener, schwarzer Skihose und schwarzer blousonartiger Halbjacke erst am 9.November, „Tag der Erhebung" (Putsch München, 1923).

Die 10-14 jährigen Schülerinnen, fast alle lange, blonde Zöpfe der „Jungmädel Nordmark" genau so „dünn" angezogen. Alle froren wie die „Schneider" und warteten zwei Stunden in Reih und Glied auf die Eröffnungsgäste mit dem dänischen Verkehrsminister und dem NS-Minister für Straßenbau Fritz Todt. Dieser 1942 Flugzeugabsturz nach Unterredung mit Hitler in Rastenburg ( Dr. Todt zu Hitler: „Der Krieg ist verloren...!") Meine Finger waren weiß, blutleer vor Kälte, bekam kaum noch die Fanfare hoch und „intonierten" als die Herren mit roten Biesen und goldenen Tressen vorfuhren „Vorwärts Kameraden!"

Vier Wochen später liege ich mit Scharlach im abgedunkeltem Zimmer unseres alten Fachwerkhauses in der Priesterstraße. Mutter kommt ins Zimmer: „Mein Gott, Onkel Kalli ist gefallen...!"

 

Opa Kalli

Walter Klahn verwundet Januar 1945 in Pillau, gestorben Lazarett in Schwerin April 1945

 

Palmarum 28.März 1942: Konfirmation! Bombenangriff auf Lübeck, Hansestadt brennt lichterloh, nur Jacobi-Kirche (Pamir-Boot) unbeschädigt, Feuer auf Fehmarn zu sehen, Himmel glutrot. Im Januar 1945 kommen erste Flüchtlinge auf Pferdegespanne aus Ostpreußen mit der Dampffähre über den Fehmarnsund. Mittelschule wird Lazarett, Schwerst verwundete direkt aus dem Oderbruch. Flüchtlings- und Kriegsschiffe werden am 3. Mai 1945 vor dem Ostseebad Burgtiefe durch Bomben versenkt. Gleiches Geschwader bombardierte zuvor die KZ-Schiffe „Thielbek", „Cap Arcona" und „Deutschland in der Lübecker Bucht. Von 8000 Gefangenen überlebten 500. 43.000 Marinesoldaten auf Fehmarn interniert.

 

Am 7. Mai 1945: englische Panzer auf dem Markt!

 

Wir danken Karl-Wilhelm Klahn für diese Zusammenfassung

Das Reisecenter Fehmarn distanziert sich von allen politischen Auffassungen aus der damaligen Zeit. Dieser Bericht diehnt nur der Information und stellt in keiner Weise die Verherrlichung dieser Epoche dar.


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