Die Auswirkungen der Schleswig-Holstein-Erhebung vom 24. März 1848 erreichten be­reits am 15. April mit dem Auflauf zweier dänischer Kriegsschiffe vor Burgtiefe auch un­sere Insel Fehmarn. Der dänische Kommandant, Kapitänleutnant Baron von Dircking-Holmfeld, setzte mit zwei Begleitern beim Oberlotsenhaus an Land, um im königlichen Auftrage die „treuen Untertanen der dänischen Krone" zur Neutralität zu ermahnen.

Denkmal auf Burgstaaken

Beim Erscheinen des Küsten-Hauptmanns Baron von Leesen wurde Dircking-Holmfeldt von diesem gefangen genommen: „Krieg der Barone!" Hierbei kam es zu einer Schieße­rei, bei dem der dänische Marine-Constabel Snydstrup tödlich getroffen wurde. Dieses Ereignis sollte nach der entscheidenden Schlacht mit 6000 Toten am 25. Juli 1850 bei Idstedt, südlich von Schleswig, die schleswig-Holstein-Armee war durch den außenpolitisch erzwungenen Abzug des preußischen Offiziercorps (England-Russland) nahezu führungslos, 1853 ein aufsehenerregendes gerichtliches Nachspiel haben. Dänische Truppen waren bereits am 17. Juli 1850 bei Catharinenhof gelandet und zo­gen mit 1500 Soldaten und dem neuen Amtmann Broder Knudsen singend in Burg ein.

Anton Snydstrup wurde auf dem Burger Friedhof durch eine Kommission unter Charlotte Nieses Großvater, dem stellvertretenden Amtmann, Justizrath Matthießen, und dem Physikus Dr. Kaestner, exhumiert, die bezeugten, mehrere Schüsse gaben den Tod. Es wurden am 2. November 1853 unter dem nunmehrigen Oberstadtdirektor von Burg und Amtmann von Fehmarn, Broder Knudsen, mehrere Zuchthaus- und Gefängnisstra­fen ausgesprochen. Von Leesen zahlte ein hohes Lösegeld an die Familie Snydstrups und kam mit 11 Monaten Festungshaft in Kopenhagen glimpflich davon. 1855 verkaufte der Freiherr sein fehmamsches Gut an Herrn Linde und übersiedelte nach Posen, wo er in unmittelbarer Nähe des so unglücklich um seinen greifbaren Thron gekommenenen Herzogs Christian August von Augustenburg-Schleswig-Holstein, sich die Großgüter Treben und Retschke kaufte, die Standlöwen der Burger Bronzetaufe mitnehmend! Nach der Eingliederung Schleswig-Holsteins 1867 in Preußen, errichtete der einstige Küsten-Hauptmann am 9. Mai 1872 am „Kampfplatz" vor dem Gebäude des Oberlotsen Adam ein Denkmal der Ereignisse jenes 15. April 1848 mit eigener Idee und auf seine Kosten.

In einer großen Feier mit Musikuntermalung und Festzeitschrift wurde das py­ramidenförmige Sandstein-Monument mit kostbaren Tropfsteinen umrahmt, am Tiefe­strand eingeweiht. In Krögers Gasthof mit den römischen Ziffern der Erbauung von 1644, mit der noch heute den Giebelbalken zierenden Amphore, eines Ägypten-Mitbringsels des bei der Dänenladung 1850 geflüchten Barons, der sich erst 1855 unter Einbindung seines Schutzherm, dem Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha, dem Gericht stellte, lud der Patriot seine einstigen „Mitkämpfer" zu einem üppigen Vier-Gänge-Menü ein und belohnte sie mit Bargeld wie silbernen und goldenen Erinnerungs-Medaillen. Genau 6 Monate und 4 Tage überlebte das Prachtstück am Tiefestrand, dann setzte am 13./14. November 1872 eine gewaltige Sturmflut ein, die in Orth (bronzene Hochwasser­tafel an der Schleuse), Burgstaaken (siehe Hiss-Speicher) und auf Burgtiefe (Glambek) die 3,47-Meter-Marke über NN erreichte und 4527 Hektar Acker- und Wiesenland über­schwemmte, auf Burgtiefe überlebte von 14 Gebäuden nur das Lotsenknecht-Haus.

Denkmal auf Burgstaaken

Unter tiefem Steingeröll, Burgtiefe hatte auf seiner ganzen Länge und mit 8-Meter-Breite den Geröll-Charakter von Gammendorf, erst Buhnen schafften 1921 den 25 Meter brei­ten Sandstrand, fand Oberlotse Wilhelm Adam das Leesen-Denkmal, wenn auch un-zerbrochen, wieder. Die Insulaner bekamen eine ziemliche Furcht vor der Gewalt dei entfesselten Wassermassen. Manche zogen weg von den Küstendörfern und die einsti­gen Bewohner der 12 Quadratkilometer großen Tiefe-Halbinsel (heute 14,5 qkm durch Aufspülung) zogen allesamt nach Neue Tiefe. Als 1873 bereits wieder ein Hochwassei bei zwei Metern lag und 1874 am 9. Februar gar 2,12 Meter über NN gemessen wurde zog man es vor, das Tiefe-Denkmal nach dem etwas sicheren Burgstaaken zu verlegen hier mit einer hübschen Anlage, herrlichem Ziergitter und zwei Ruhebänken versehen.

Mit freundlicher Genehmigung von Karl-Wilhelm Klahn

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